medica mondiale e.V. – Meilensteine für kriegstraumatisierte Frauen
von Antje Kümmel
Dr. Monika Hauser, Trägerin des Alternativen Nobelpreises, im Interview über Mittel und Wege in der Öffentlichkeitsarbeit bei medica mondiale e.V., Verein zur Unterstützung kriegstraumatisierter Frauen und Mädchen.
Im Herbst 1992 herrschte Krieg in Bosnien. Die Gynäkologin Dr. Monika Hauser las fast täglich von den unzähligen Vergewaltigungen und Gewalttaten an Frauen und Mädchen im Kriegsgebiet. Die Ärztin war schockiert von den Ereignissen und wütend über die grenzüberschreitende Art, wie die Medien darüber berichteten. Kurzentschlossen reiste sie von Köln nach Zenica, einer Stadt in Zentralbosnien, mit dem festen Vorhaben, dort den Mädchen und Frauen zu helfen. Binnen weniger Monate schaffte Monika Hauser es, in Zenica ein Frauenzentrum zu errichten – mithilfe von bosnischen Ärztinnen und Psychologinnen. Und auch aus und in Deutschland halfen ihr Mitarbeiterinnen, die zupackten, organisierten und Spenden sammelten.

Das ist jetzt über 16 Jahre her. 1994 gründete Dr. Monika Hauser in Köln die Organisation medica mondiale e.V. und weitere Vorhaben wurden umgesetzt. Im Herbst letzten Jahres erhielt die Ärztin für ihr Engagement den Alternativen Nobelpreis. Neben dem Frauentherapiezentrum in Bosnien entstanden Anlaufpunkte für kriegstraumatisierte Frauen und Mädchen in Afghanistan, Liberia, Kosova und Albanien. Weitere Projekte wurden in Kooperation mit Partnerorganisationen in der Demokratischen Republik Kongo, in Uganda und Israel aufgenommen.
Die Öffentlichkeitsarbeit von medica mondiale ist oft schwierig. Einerseits ist vor Ort besondere Vorsicht geboten, um die Frauen vor weiteren Ausgrenzungen zu schützen. Andererseits bringt nur eine kompromisslose Kommunikation der Vorfälle den gewünschten Erfolg: Die Verurteilung der Verantwortlichen und Verhinderung weiterer Vergewaltigungen und Gewalttaten an Frauen und Mädchen.
Auch in der deutschen Öffentlichkeit, bei möglichen Spendern, führt die Benennung der Themen oft zu Abwehrhaltungen. Die Sensibilisierung der Medien und der Politik für die Schicksale der Frauen und Mädchen in den Kriegs- und Krisengebieten ist eine anhaltende Gratwanderung. Und obwohl die Organisation auch viel über die Stärken der betroffenen Frauen berichten und die Erfolge der letzten Jahre zeigen, mit welcher Kraft die Mitarbeiterinnen ihren Einsatz erbringen, halten sich viele Unternehmen zurück, Engagement zu zeigen, da ihnen diese Themen zu schwer für ihr Corporate Social Responsibility sind. Die Grenzen, in denen Öffentlichkeitsarbeit, Kommunikationsmaßnahmen und Spendenaufrufe durchgeführt werden, sind durch das schwieriges Thema eng gezogen.
Wir waren bei Dr. Monika Hauser zu Gast in den Räumlichkeiten von medica mondiale e.V. in Köln. Im persönlichen Interview erhielten wir einen guten Einblick, mit welchen Möglichkeiten und Schwierigkeiten die Organisation erfolgreich ihre Presse- und Öffentlichkeitsarbeit durchführt.
“Menschen, die sich für unsere Arbeit interessieren, sind berührt von den Themen – Frauen wie Männer!”, ermuntert die Ärztin.
Ein aufschlussreiches und spannendes Interview!
Autorin: Antje Kümmel





Mo, Jun 29, 2009
CSR