Fantasy Filmfest – Gibt es denn nur Horrorfilme???
von Barbara Gerlach
Ach, was habe ich mich gefreut, als ich – eher zufällig – auf das Fantasy Filmfest in Köln aufmerksam wurde. Denn ich war der Meinung, dass sich hinter dem Begriff “Fantasy” Filme wie “Herr der Ringe” oder Comic-Verfilmungen verbergen. Falsch gedacht! Ein erster Blick ins Programm war sehr ernüchternd: Horrorfilme beherrschen die sieben Tage in Köln, vom “kleinen Hobbit” keine Spur. Der Großteil der Kinogänger scheint unter dem Begriff “Fantasy” nicht nur das Fantastische, sondern vor allem Horror und Science-Fiction zu verstehen. Science-Fiction okay, aber Horror…?! Zur Erklärung: Horrorfilme haben mich nie interessiert. Scream, Blair Witch Project und Co. habe ich mir deshalb gespart. Und bis heute habe ich es nicht bereut. Nichtsdestotrotz sind beim Fantasy Filmfest auch Nicht-Horrorfilme am Start. Man muss zwar danach suchen – aber es gibt sie.
Zum Beispiel “The Oxford Murders”: Der Regisseur und Drehbuchautor Alex de la Iglesia ist zwar eher ein Mann fürs Grobe (Accion Mutante, Allein unter Nachbarn, Perdita Durango). Mit dem Thriller “The Oxford Murders” schlägt er jedoch einen neuen Weg ein – klassische Schockelemente bleiben aus. Trotzdem war es nicht de la Iglesia, der mich in den Film gezogen hat. Dafür ist wohl eher die Besetzung verantwortlich, die gleich zwei ECHTE Fantasy-Veteranen aufweist. Zum einen Ex-Hobbit Elijah Wood, zum anderen Hellboy-Ziehvater John Hurt. Wenn dabei nichts “Fantastisches” herausspringt, wo dann?!
In unmittelbarer Umgebung der großen Universität Oxford treibt ein Serienmörder sein Unwesen. Professor Arthur Seldom (Hurt) und Doktorand Martin (Wood) versuchen, den Täter zu stoppen. Dieser scheint Seldom herausfordern zu wollen, seine Morde stehen in Zusammenhang mit Seldom und folgen einem bestimmten Muster. An Seldom und Martin liegt es, die Symbole, die der Täter an jedem Tatort hinterlässt, richtig zu deuten.
Der “Horror” ist in diesem Film ständig präsent und sorgt für ein beständiges Unwohlfühlen beim Zuschauer. Zum Beispiel, wenn ein Soldat während eines heftigen Gefechts im zweiten Weltkrieg auf offenen Feld nicht den sicheren Schutz sucht sondern Seite um Seite seines Notizbuchs füllt. Oder wenn ein mit Seldom befreundeter Wissenschaftler auf der Suche nach der perfekten Formel wahnsinnig wird und seine Selbstversuche im Krankenhaus enden – mit einem Arm und beiden Beinen weniger. Das eigentlich schockierende daran ist, dass er selbst in dieser ausweglosen Situation weiter nach der Formel sucht und ohne Unterlass mit seiner einen verbleibenden Hand unleserliche Notizen macht. Auch der Schluss des Films stellt den Zuschauer nicht unbedingt zufrieden und hinterlässt ihn nachdenklich. Das überraschende und frustrierende Ende zeigt einmal mehr: Es gibt keinen allein Schuldigen. Es gibt nicht eine, sondern viele Wahrheiten. Trotzdem oder gerade deswegen: “The Oxford Murders” ist ein empfehlenswerter Film. Wer Lust auf Spannung, überraschende Wendungen und akademischer Diskussionen auf höchster Ebene hat, ist mit “The Oxford Murders” gut bedient.
Eine kleine Schlussbemerkung: Die Überzahl der Horrorfilme und das teilweise gewöhnungsbedürftige Publikum werden mich im nächsten Jahr nicht davon abhalten, wieder beim Fantasy Filmfestival dabei zu sein. Denn auch im nächsten Jahr werden Filme wie “The Oxford Murders” am Start sein. Da bin ich mir ganz sicher!
Das Fantasy Filmfestival in Köln geht noch bis Mittwoch, 27. August 2008. Die Programmübersicht ist hier zu finden.
Tags: Film & TV





Mo, Aug 25, 2008
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