Im Interview: Professor Michael Meyen zur “Diktatur des Publikums”
von Benjamin Pauwels
kommunikationsblog.de-Interview
mit Prof. Dr. Michael Meyen, Institut für Kommunikationswissenschaft und Medienforschung der Ludwig-Maximilians-Universität München und Autor des neu erschienen Buches “Diktatur des Publikums – Journalisten in Deutschland”, von Michael Meyen und Claudia Riesmeyer, UVK Verlagsgesellschaft, Konstanz 2009.
Verlosung: Gewinnen Sie eines der beiden Exemplare von “Diktatur des Publikums”. Wie das geht erfahren Sie am Ende des Interviews
Benjamin Pauwels (BP): Guten Tag Herr Professor Meyen, es freut mich, dass Sie sich Zeit für den kommunikationsblog.de genommen haben. In Ihrem neuen Buch “Diktatur des Publikums” haben Sie in Tiefeninterviews über 500 Journalisten quasi “ins Gehirn geschaut”. Was haben Sie dort gesehen?
Prof. Meyen: Erst einmal Begeisterung für den Beruf. Journalisten macht ihre Arbeit Spaß, weil sie Abwechslung bringt, weil sie Kreativität erlaubt und einen Blick hinter die Kulissen. All dies bringt genauso Aufmerksamkeit im persönlichen Umfeld wie der Einfluss, der Medien zugeschrieben wird. Und dann habe ich Expertise gesehen. Viele Journalisten haben sich schon immer für das Thema interessiert, über das sie heute berichten, und ihr Wissen in jahrelanger Beschäftigung vertieft.
BP: “Diktatur des Publikums” – heißt ja, dass die Macht über die Steuerung gesellschaftlicher Diskurse bei der Masse der Nutzer eines Mediums liegt. Wie sehen die von Ihnen befragten Journalisten ihre gesellschaftliche Aufgabe?
Prof. Meyen: Die allermeisten sehen sich als Dienstleister. Sie wollen dem Publikum helfen, sich in einer komplexen Welt zurechtzufinden, und Orientierung im Informationsdschungel liefern. Natürlich kann man 500 Befragte nicht über einen Kamm scheren. Wir haben genauso Journalisten gefunden, die sich als Detektive sehen oder Werbung für eine bestimmte Sache machen wollen, Musik oder Kino zum Beispiel.
BP: In den 60er/70er Jahren des letzten Jahrhunderts hatte der “Journalismus” noch ein enormes gesellschaftliches und politisches Streitpotential. Warum ist das heute nicht mehr so?
Prof. Meyen: Das einzelne Angebot zählt heute einfach nicht mehr so viel. Der Markt hat sich in den letzten 30 Jahren extrem ausgeweitet und ausdifferenziert. Die Ökonomisierung zwingt zum Dienst am Publikum, zumal die Mediaforschung ja genau sagt, wer die einzelnen Angebote nutzt und was diese Leute wollen. Im Online-Journalismus dreht sich diese Schraube weiter. In einer Medienwelt, in der ich live verfolgen kann, welche Beiträge angenommen werden und welche nicht, ist für Ideologen kein Platz.
BP: Journalisten kann man ja nicht in einen Topf werfen. Welche Spielarten von Journalismus unterscheiden Sie auf Grundlage Ihrer Untersuchungsmethode und was haben Sie über Journalisten hinsichtlich ihres Selbstbildes und der Arbeitsweise herausgefunden?
Prof. Meyen: Wir haben acht Typen unterschieden. Das beginnt bei den schon erwähnten Dienstleistern, Detektiven und Lobbyisten und reicht im Extremfall bis zu Künstlern, die lieber Bücher schreiben würden oder Filme drehen, oder Verkäfern, die ihr Produkt möglichst optimal am Markt platzieren wollen und zum Beispiel beim Privatfernsehen arbeiten oder bei der Bild-Zeitung.
BP: Welche Bedeutung hat der verschäfte Zeitdruck in Redaktionen und der Mangel an finanzieller Ausstattung auf das professionelle Zusammenspiel von Journalisten und Informations-Dienstleistern aus Behörden und Unternehmen? Wie bewerten Sie das?
Prof. Meyen: Nicht überall herrschen Zeitdruck und Geldmangel. Im Journalismus gibt es eine klare Hierarchie, die von der Zeit bestimmt wird, die man für Recherchen hat. Am Machtpol sind die Bedingungen immer noch gut. Bei den Nachrichtenmagazinen natürlich, bei der Bild-Zeitung, bei den überregionalen Tageszeitungen und bei vielen öffentlich-rechtlichen Informationsangeboten. Je weiter man sich von diesem Machtpol entfernt, desto eher orientieren sich die Journalisten an Wünschen von außen, von Werbekunden vor allem oder von PR-Leuten. Für den einzelnen Journalisten ist das ein großes Problem, weil er im Beruf nur dann aufsteigen kann, wenn er selbst recherchiert und produziert. Für die Gesellschaft insgesamt ist das Problem nicht mehr ganz so groß, weil die Informations-Dienstleister längst die Spielregeln des Journalismus verinnerlicht haben.
BP: Ich bedanke mich für das Gespräch.
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Diktatur des Publikums
Journalisten in Deutschland
von Michael Meyen und Claudia Riesmeyer
UVK Verlagsgesellschaft, Konstanz 2009, 270 Seiten
ISBN 978-3-86764-170-8
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Verlosung:
Gewinnen Sie eines der beiden Exemplare von “Diktatur des Publikums”, die uns die UVK Verlagsgesellschaft freundlicherweise zur Verfügung gestellt hat. Dafür müssen Sie folgende Frage richtig beantworten:
Wieviele Journalistentypen unterscheidet Prof. Meyen in der nun vorgelegten Untersuchung?
Senden Sie uns Ihre Antwort bis zum 31. Juli 2009 an die Adresse info@betterrelations.de mit dem Betreff “Diktatur des Publikums”.
Anfang August losen wir die Gewinner unter den richtigen Einsendungen aus. Die Gewinner werden von uns benachrichtigt und erhalten das Buch per Post.
Viel Glück!
Tags: Medien & Journalismus






Do, Jul 16, 2009
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