A A
RSS

Innovativer Webjournalismus mit interessantem Geschäftsmodell www.trueslant.com

Mi, Apr 15, 2009

Medien & Journalismus

von Riccardo Wagner

trueslanter.jpg Was zählt am Ende in einem Magazin oder einer Tageszeitung: Die Qualität der Recherche, der Weitblick der Analyse und die Schreibe des Autors. Lesen von Zeitungen ist nicht nur reine Informationsaufnahme, sondern idealerweise Vergnügen und gedankenerweiternde Reflektion. Und wem haben wir das zu verdanken? Dem Autor und Journalisten, der durch Sachkenntnis, Erfahrung und Begabung eine professionelle Geschichte formt, die informiert und unterhält.

Vollkommen zu Recht rückt ein neues Webportal deshalb die Autoren, dort Contributors genannt, in den Mittelpunkt: www.trueslant.com

Gegründet wurde das Portal vom ehemaligen erfahrenen Autor Lewis Dvorkin, der zuvor für u.a. AOL, Forbes und das Wall Street Journal gearbeitet hat. Dvorkin spricht bei der Vorstellung seines Projektes vom “neuen Journalismus”, doch was ist True/Slant und was ist daran neu.

True/Slant ist ein Newsportal, das in neuer Art und Weise die Autoren zum Zentrum macht. Im Grunde verbindet das Portal den klassichen Newsseitenauftritt mit einer Art Meta-Blog, Social Network Anwendungen und Elementen des Microbloggings Marke Twitter. Heraus kommt ein spannendes und flexibles Gebilde, das schon bei den ersten Klicks fasziniert. Zur Zeit veröffentlichen circa 80 Autoren Ihr Storys auf True/Slant – neu ist, das dies keineswegs exklusive Geschichten sein müssen, sondern die Autoren Ihre Texte auch auf anderen Plattformen veröffentlicht haben dürfen. Leser können dann auf dem Portal bestimmte Autoren “verfolgen” und damit deren Beiträge fest abonnieren.

Die Contributors sind bereits auf der Startseite prominent in Szene gesetzt, zum Start handelt es sich hier um gut 80 Autoren. Neu ist ebenfalls, dass die Autoren an den Werbeeinnahmen der Seite beteiligt werden – abhängig von ihrem eigenen Erfolg. Das bringt völlig neue Geschäftsmodelle für Autoren aber auch für Werbetreibende mit sich.

Was bedeutet das Modell True/Slant für die Verlage und Medien? Es ist plötzlich nicht mehr wichtig, ob man Leser des “Journal” des “Spiegel” oder des “Hamburger Abendblattes” ist, das ist für die Verlage eine mögliche schreckliche Aussicht. Man kennt seine Themen, man hat Autoren des eigenen Vertrauens und die liest man, so der Gedanke – ob die Texte mal in einem anderen Blatt standen, spielt keine Rolle. Klar, spielt hier der, auch in Nordamerika massiv vorangetriebene, Stellenabbau in den Verlagen den Machern von True/Slant in die Karten, da viele gute Autoren auf der Suche nach neuen Beschäftigungsmodellen sind. Doch ich denke, dass das Modell wird sich auch bei besseren Konjunkturaussichten etablieren, denn es macht einfach Sinn – wenn man ein aktiver Konsument ist, der sich auch bewusst mit der Autorenebene auseinandersetzt.

Doch, und das ist die Gute Nachricht für alle Verlage, das tun bei weitem nicht alle Leser. Fragen Sie einmal im erweiterten Bekanntenkreis nach Namen von Journalisten. Magazine und Zeitungen haben Ihr Berechtigung, auch in Zukunft, dass Sie für Vorauswahl, Mischung und Service stehen. Nicht jeder möchte neben dem Lesen auch die Position des Chefredakteurs ausfüllen und gute und schlechte Beiträge der Autoren (die jeder Autor auch abliefert) selber von einander trennen und mit letzteren die Zeit vergeuden. Außerdem möchte man sich in einem Magazin auch immer einmal von Themen anspringen lassen, die nicht ohnehin schon immer im RSS-Ticker laufen.

Insgesamt finde ich True/Slant innovativ, absolut zeitgemäß und eine notwendige Bereicherung. Ich mag prinzipiell gekonnte Mischungen vorhandener Modelle und Technologien, was den Machern ohne Zweifel gelungen ist. Der Erfolg wird kommen, den Untergang der Verlage sehe ich dadurch nicht.

Riccardo Wagner

Post to Twitter

Rating 3.00 out of 5

Tags: , ,

Eine Antwort to “Innovativer Webjournalismus mit interessantem Geschäftsmodell www.trueslant.com”

  1. Auch spannend, was noch so auf der anderen Seite des großen Teichs im Bereich Journalismus geschieht:

    http://www.newsroom.de/news/detail/%24FTCOGQJRNTLP

    “In den USA wollen Verleger und Geschäftsleute über das Portal “Journalism Online” hochwertige journalistische Produkte großer Anbieter im Internet gegen Bezahlung anbieten.”

Eine Antwort verfassen

Comment Spam Protection by WP-SpamFree

Advertise Here
Flickr Fotos

Netzprofile

Folgen Sie uns auch hier: