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Schnell, knapp und nachvollziehbar: Wie „twittern“ seinen Platz im Unternehmen findet

von Gastautor

Jörg Hoewner

joerg-hoewnerBarbara Gerlach hat sich hier kürzlich der vielen kleinen „Fallen“ angenommen, in die man als Twitter-User tappen kann (Link auf http://www.kommunikationsblog.de/medien/die-grosten-twitter-fehler ). Berufliches und Privates zu vermischen nennt sie dabei ebenso wie werbliche oder schlicht dröge Posts. Aber warum hört unser Verständnis von Microblogging im Unternehmen eigentlich immer beim offiziellen Unternehmensaccount auf Twitter oder Mitarbeitern in werblicher Mission auf?

Enterprise Microblogging, so der Sammelbegriff für Dienste, die SMS-ähnliche Kurzmeldungen im Unternehmen einsetzten, kann viel mehr. Während der „Platzhirsch“ Twitter seine Nutzer auf 140 Zeichen beschränkt, öffnen Enterprise Microblogging-Tools diese Grenze. Teilweise lassen sich Anhänge verschicken, Schlagworte vergeben oder Teilnehmer per „Tag“ ansprechen. Eine Auswahl existierender Tools hier (Link auf http://www.moderne-unternehmenskommunikation.de/wordpress/tipps/tools/30-enterprise-microblogging-tools/).

Erwartungshaltung an und Nutzenversprechen von Enterprise Microblogging ist dabei hauptsächlich, das wertvolle Gut „Information“ effizienter zu managen. Das wird immer schwieriger, weil die Fluktuation an Arbeitsplätzen und in Projekten immer höher, der Zeitdruck immer stärker und die Bedeutung von „Knowledge Workers“ innerhalb der Wirtschaft stetig steigt – erfolgreiche Kollaboration ist der Schlüssel für Produktivität und Innovation. Welche Rolle Technologie in diesem Zusammenhang spielt, zeigt eine aktuelle McKinsey-Studie. (Link auf http://whatmatters.mckinseydigital.com/internet/using-technology-to-improve-workforce-collaboration)

„Klassische“ Einsatzfelder von Microblogging sind demnach (um nur einige zu nennen):

  • Projekte: E-mail-Kommunikation greift regelmäßig zu kurz – irgendjemand wurde immer auf dem Verteiler vergessen oder verliert im Posteingang den Überblick. Ebenfalls problematisch: Später dazu stoßende Projektmitarbeiter haben große Schwierigkeiten, nicht nur Inhalte, sondern vor allem die Meta-Kommunikation im Team nachzuarbeiten. Ebenfalls ein Standard-Problem: Die Zusammenarbeit Mehrerer in einzelnen Dokumenten – Schreckenswort „Statusliste“
  • Vertrieb: Außendienstler fühlen sich besonders häufig von der Kommunikation im Unternehmen abgeschnitten. Die Informationsflüsse zwischen ihnen und den „Internen“ wiederum beliben Einzelströme, sprich: ihre Kollegen profitieren nicht davon. An den technologischen Möglichkeiten hapert es eher selten, SmartPhones werden mehr und mehr zum Standard. Szenario für Microblogging-Einsatz: Außendienstler stößt bei einem Kunden auf einen Sonderfall, holt über seinen Mobile Client live die Information ein, die wiederum direkt „getaggt“ wird und allen Außendienstler zur Verfügung steht.
  • Innovationsmanagement: Gerade hier gilt: „Time (to market) is money“. Viele Innovationen starten im Kleinen und würden die Schwelle eines traditionellen „betrieblichen Vorschlagwesens“ nie überschreiten. Weckt eine Idee, mal eben in einen Microblog getippt, Interesse, kann Innovation in Microblogs mit einiger Dynamik vorangetrieben und ausentwickelt werden.

Einige (einleuchtende?) Argumente also, und die Investitionen sind wie bei anderen Enterprise 2.0-Lösungen sehr überschaubar – warum also schlägt Enterprise Microblogging nicht ein wie eine Bombe und wird auch hierzulande als „the next big thing“ (Dion Hinchcliffe, Link auf http://blogs.zdnet.com/Hinchcliffe/?p=414 ) gesehen?

Ein paar Fragen an die Entscheider in Unternehmen helfen hier vielleicht weiter: Wie offen sind Sie selbst gegenüber Web 2.0-Anwendungen? Haben Sie Twitter schon einmal getestet oder bisher nur darüber gelästert? Und: Wie transparent soll denn in Ihrem Unternehmen kommuniziert werden? Ist es ok, wenn Hierarchien flacher und Wissensenklaven aufgebrochen werden? Ob und wie Microblogging in Unternehmen genutzt wird, ist aus meiner Sicht ganz wesentlich eine Frage von Unternehmenskultur und Entscheidungsstrukturen. Einiges spricht dafür, dass sich Enterprise Microblogging „Bottom Up“ verbreiten wird, also z.B. von Testnutzern in Projekten, die in ihrem Umfeld dafür werben.

Und zu den Entscheidungskriterien: Unternehmen, die Microblogging testen möchten, sollten sich genau überlegen, was Sie von einem solchen Tool erwarten: Reicht eine Lizenzversion, die sich hinter der Firewall installieren lässt? Oder hätten wir gerne Service? Wollen wir Microblogging in eine bestehende Lösung integrieren? Sollen manche Themenblogs transparent, andere wiederum für einen bestimmten Personenkreis geschützt sein? Spielen Service und Compliance eine wichtige Rolle, bieten sich hiesige Lösungen wie Communote an (link auf http://www.communote.com/homepage/ Disclosure: Anbieter Communardo ist einer unserer Kunden).

Wie bei so vielen Technologie-Sprüngen bringt uns der reine Verstand nicht sonderlich weiter. Ich kann allen halbwegs Interessierten nur wärmstens empfehlen, sich den sinnlichen Eindruck dazu zu verschaffen, sich eine kleine Auswahl an möglichen Dienstleistern anzusehen und ein oder zwei davon zu testen – parallel zu bestehenden Lösungen.

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3 Antworten to “Schnell, knapp und nachvollziehbar: Wie „twittern“ seinen Platz im Unternehmen findet”

  1. Nicht zu vergessen der Mehrwert im Einsatz von Projekt- und Teamkoordination durch Microblog-Entries wie “Teste gerade Modul C im Rahmen des Arbeitspakets DEV http://tinyurl usw.” oder im Knowledge Management durch Meldungen wie “Arbeite mich gerade in das Anforderungsdokument für die Erstellung eines XYZ ein” oder “Erstelle Dokumenation zum SURVIVOR Projekt mit Benchmarks der XYZ-Industrie”.

    Alle diese Use Cases von Enterprise-Microblogging haben eins gemeinsaem. Sie schaffen eine Art “virtuelle Kopräsenz” und ermöglichen es “Awareness” über Aktivitäten, Expertisen oder Bedürfnisse zu erzeugen.

    Meiner Meinung nach müssen solche Szenarien bekannter gemacht werden und vor allem in einen Gesamt-Kontext in bestehende Kommunikations- und Systemlandschaften eingebettet werden. Dann wird auch verstärkt das Thema Microblogging entdämonisiert! (wenn es auch nie “the next big thing” wird ;) )

  2. Vielen Dank für den erhellenden Beitrag.

    Ich könnte mir vorstellen, dass ein Grund für die allenfalls zaghafte Durchdringung von Enterprise Micoblogging Tools dasselbe Argument beinhaltet, dass seit vielen Jahren in der Diskussion von Wikis oder Intranet vorgebracht wird – niemand hat Zeit sich mit den Möglichkeiten genauer zu beschäftigen und sinnvolle Einsatzszenarien zu entwicklen.

    Ich glaube nicht, dass sich innovationsorientierte Unternehmen auf Dauer den Möglichkeiten von Enterprise 2.0 Lösungen erwehren können; ich bezweifel jedoch dass es revolutionäre Wellen der Erkenntnis geben wird. Ich stimme Ihnen zu, dass einiges dafür spricht, dass sich Enterprise Microblogging “Bottom Up” verbreiten wird. Ich denke jedoch, dass es sich ohne ein entscheidendes Signal “Top Down” wesentlich zäher verbreiten dürfte – es sollte sozusagen ein Signal der Offenheit für ein solches “Experiment” von oben nach unten erfolgen.

    Beste Grüße,
    Matthias Fromm

  3. Ich denke wir sollten nicht vergessen, dass Microblogging noch ein recht junges Phänomen ist. Die unternehmensinterne Nutzung wird erst seit dem Herbst 2008 in unternehmes-relevanten Medien diskutiert. An den Beiträgen der Enterprise 2.0 Conference war deutlich zu sehen, dass im Bereich der schon viel länger bekannten Werkzeuge Wikis & Blogs über Case Studies, Investitionen und ROI diskutiert wird, während die Firmen zum Thema Microblogging noch testen, ausprobieren und nach praktischen Einsatzbereichen suchen. Siehe dazu auch den verknüpften Blogbeitrag. Nachdem was wir beim flächendeckenden Einsatz von Microblogging bei uns erlegen bin ich überzeugt, dass wir in den nächsten zwei Jahren eine deutliche Verbreitung erleben und viele neue Anwendungsbereiche entdecken werden.

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