Viral-Power: RWE-Riese zur Strecke gebracht
Di, Aug 18, 2009
von Riccardo Wagner
So kann es gehen. Man denkt sich die schönsten Bilder aus, erfindet einen sympathisch, knuddligen Helden, der in der Wunschvorstellung dem Angesicht des eigenen Konzerns gleicht und setzt entschlossen die Themen, die man unbedingt verbreiten will. Alles gut.
Bis auf eine Kleinigkeit: Man nimmt es mit der Wahrheit nur so mittelgenau. Und was passiert? Der Powerriese RWE bekommt die Power des Social Webs zu spüren und wird mit den einfachsten Mitteln der Lächerlichkeit preisgegeben und der Lüge bezichtigt.
Richtig gelogen, im kindischen Sinne, haben Sie freilich nicht wirklich. Auch wenn im Spot suggeriert wird, dass z.B. Gezeitenkraftwerke das tägliche Brot des Konzerns sind, wird das nicht ausdrücklich gesagt. Ist das eine Entschuldigung? Nein!
RWE hat gelogen und zwar im professionellen Sinne. Denn auch etwas suggerieren, was nicht stimmt, ist in der Unternehmenskommunikation eine Lüge, nur noch etwas hinterhältiger, was es sogar schlimmer macht. Das ist ärgerlich, weil sehr leicht vermeidbar.
Mit nur wenigen Handgriffen am Spot wäre das Desaster vermeidbar gewesen, denn es spricht nichts dagegen, sich für die Zukunft viel vorzunehmen und das auch so zu kommunizieren. Wenn Gezeitenkraftwerke nur auf dem Reißbrett existieren, muss an einer Stelle im Spot klar werden, dass dies eine Vision und ein Ziel ist. Das macht den Riesen nicht wirklich unsympatischer. Im Gegenteil.
Wer bewußt so emotional kommuniziert, wie es RWE in dem Spot getan hat, muss mit höchster Aufmerksamkeit saubere Botschaften transportieren. Wahrheit als oberste Prämisse gilt zwar grundsätzlich aber durch die heimilige Atmo des Filmes provoziert besonders die nicht gerade als zurückhaltend bekannte Gegenerschaft der Energiekonzerne und zudem wirken die mit brutaler Leichtigkeit und Klarheit eingeblendeten Hinweise und Fragen besonders effektiv. Man darf gespannt sein, wie der zur Strecke gebrachte Riese reagiert, mit sympathischer Gelassenheit und Verhaltensänderung oder in dem er die Riesenkeule auspackt.
Und damit keiner denkt, der Spot ist das Ende der Fahnenstange, hier noch ein paar weitere Infos, wie eine solche Kampagne sich weiter entwicklen kann und kräftigere Stimmen, wie hier die von Greenpeace in den Chor einstimmen:
Tags: Viral










Wunderbar zusammengefasst. Der Schuss ging für RWE gehörig nach hinten los. Auch JvM wird sich schwer tun, seinem namhaften Kunden das Viral als Erfolg zu verkaufen. So hat doch die greenpeace-Satire auf youtube (http://www.youtube.com/watch?v=xZFGYG7acz4)schon nach 1 Monat fast soviele Visits wie das Original (http://www.youtube.com/watch?v=rhMV0e_cFAI).
Sorry.
Original:
http://www.youtube.com/watch?v=rhMV0e_cFAI
Satire:
http://www.youtube.com/watch?v=xZFGYG7acz4