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Von der Kommunikation im Kampfsport Taekwondo

Von der Kommunikation im Kampfsport Taekwondo

Der Edle verneigt sich aber beugt sich nicht. Konfuzius

Was hat eigentlich Kampfsport mit Kommunikation zu tun? Sind das nicht zwei völlig verschiedene Dinge – kämpfen und miteinander kommunizieren?

Wenn wir Kommunikation jedoch nicht rein über Sprache definieren, dann könnte man durchaus auch anders argumentieren. Denn immerhin ist der Übungsraum, beim Taekwondo Dojang genannt, ein stark regelgebundener Raum indem durchaus viel Kommunikation stattfindet – wenn auch ein wenig anders als im Gespräch zwischen Lehrer und Schüler in der Schule.

Welche Regeln der Kommunikation gibt es beim Taekwondo?

Eine wichtige Regel der gestischen Kommunikation beim Taekwondo ist es beispielsweise, sich gegenseitig zu verneigen. Dies geschieht zum Beispiel beim Betreten und beim Verlassen des Übungsraums. Indem der Schüler den Raum betritt, beginnt etwas Neues, der Alltag bleibt dabei außen vor. Im traditionellen koreanischen Trainingsraum darf zudem ab diesem Zeitpunkt nicht mehr gesprochen werden.

Bevor die Übungsstunde beginnt, verneigen sich ebenfalls Lehrer und Schüler voreinander. Auf den gebührenden Respekt dem Lehrmeister gegenüber wird beim Taekwondo großer Wert gelegt. Auch hier dient das Ritual der Anerkennung der Autorität des Lehrers und der Sorgepflicht des Lehrers dem Schüler oder der Schülerin gegenüber. Die Intention hinter dieser Regel ist es, den Schüler für die spezielle Situation und die damit verbundene eigene Intention des Übens zu sensibilisieren.

Zu guter Letzt wird sich zusätzlich verbeugt vor den eigentlichen Partnerübungen. Damit wird gewährleistet, dass die beiden Partner im Taekwondo-Training sich gegenseitige Konzentration auf die Sache entgegenbringen. Dies verhindert auch, dass durch Nachlässigkeit in der Konzentration Verletzungen zustande kommen.

Es ist doch interessant, wie der Kampfsport Taekwondo – und viele weitere Kampfsportarten – es schafft, einen geradezu idealen Raum des Lernens zu schaffen. Denn klar ist doch: Wer die Regeln des Taekwondo beherzigt, der ist geistig eingestellt auf das Neue, auf die eigene Intention des Übens eingestimmt und richtet sich dabei immer wieder neu auf die Übung aus. Hier ist wenig Raum für Alltag, für Ablenkung, für Träumereien. Man ist im Kontakt mit demjenigen, der einem etwas beibringt, versichert seinem Partner Konzentration auf das Anstehende und kann sich der Aufmerksamkeit des Partners gewiss sein. Schließlich hat sich dieser gerade eben erst vor mir verbeugt. Subtile, jahrhundertealte Rituale schaffen den Raum für Aufmerksamkeit und höchste Konzentration, für Respekt und ein Gefühl für den eigenen Platz als Schüler.

Bezogen auf die Frage nach der Kommunkation ist der rituelle Raum des Dojang also durchaus ein Raum voller Gespräch. Und wer würde sich nicht ab und an einen Partner wünschen, der stets vor einem Gespräch signalisiert, dass er geistig auf das Folgende eingestellt ist, dass er den Alltag wenn auch für einen kurzen Moment hinter sich lässt, dass er bereit ist, voll da zu sein.

Welch wunderbare Gespräche hierdurch entstehen könnten!

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